Mein Weg zur Fernschule

Bis zu 9. Klasse habe ich ein örtliches Regelgymnasium besucht. Im selben Schuljahr bekam ich gesundheitliche Probleme woraufhin nach einem langen Ärztemarathon meine Diagnose „Asperger-Autismus“ gestellt wurde. Für mich bringt diese primär Schwierigkeiten mit der Verarbeitung von Umweltreizen und Probleme in der sozialen Interaktion mit sich. Demnach waren meine gesundheitlichen Probleme im 9. Schuljahr darauf zurückzuführen, dass ich mit der Verarbeitung der Reize und generell mit dem Umfeld in der Schule nicht klarkam. Ich hatte Probleme mit den vielen Menschen dort, der daraus resultierenden großen Geräuschkulisse, den Lichtverhältnissen, erwarteter Teamarbeit und spontanen Ausflügen und Exkursionen oder Änderungen am Stundenplan.


Im Sommer vor der 10. Klasse musste ich dann schließlich entscheiden, wie ich meine schulische Ausbildung fortsetzen wollte. Die Rückkehr an meine bisherige Schule oder überhaupt der Besuch einer Regelschule war zu diesem Zeitpunkt undenkbar für mich. Somit hatte ich erstmal keine Möglichkeit, wieder ein Gymnasium zu besuchen. Ich hatte die Option auf eine sonderpädagogische Schule mit emotional-sozialem Schwerpunkt zu wechseln. Diese war jedoch eine Realschule und würde mich daher nur bis zur 10. Klasse und zum Abschluss der Mittleren Reife führen. Letztendlich entschied ich mich zunächst für diese Schule, um eine Überbrückung für die 10. Klasse zu finden. Dort kam ich sehr gut zurecht, in meiner Klasse waren außer mir noch 5 andere Autist:innen und die Lehrer:innen dort verstanden sich sehr gut darauf, ein angenehmes Umfeld für mich zu schaffen.


Ich wusste, dass ich nach der 10. Klasse mit einem Realschulabschluss abgehen würde, war jedoch nach wie vor gewillt das Abitur zu machen. Ich hatte das Gymnasium ja nicht etwa mangels schulischer Leistung verlassen, sondern aufgrund der Schwierigkeiten durch meine damals noch unentdeckte Behinderung. Deshalb wollte ich mir den Weg zum Abitur auf keinen Fall nehmen lassen, zumal er auch für meinen Berufswunsch erforderlich ist, und suchte weiter nach einer Chance, dieses abzulegen.

Durch eine Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung habe ich schließlich von dem Fernschulmodell erfahren. Davor war mir nur das Fernstudium bekannt, aber als ich nun erfahren hatte, dass sich auch Schulabschlüsse per Fernunterricht erwerben ließen, informierte ich mich über verschiedene Fernschulen. Dabei war es mir wichtig, eine etwas kleinere Fernschule zu finden, bei der ich persönlich betreut werde. So kam ich nach etwas Recherche auf das Lernzentrum am Killesberg. Die Homepage hat mich durch ihre persönliche Aufmachung direkt angesprochen und als ich die Informationen zum Fernkurs Abitur und zur Stipendiumsvergabe fand, war für mich entschieden: Das wird mein Weg zum Abitur!


Die Fernschule hat für mich unglaublich viele Vorteile im Gegensatz zur Regelschule.

Ich kann zuhause in meinem gewohnten Umfeld lernen, so kann ich mich am besten konzentrieren, bin kaum außerordentlichen Reizen ausgesetzt und ich habe die Möglichkeit, meinen Tagesablauf meinen Bedürfnissen anzupassen. Außerdem erfolgt der Kontakt zu anderen Schüler:Innen digital, das Lernmaterial wird zum Großteil digital zur Verfügung gestellt und in den Webinaren gibt es keine Gruppenarbeit mit fremden Schüler:innen, auf die ich mich erst einstellen muss. Im Gesamten habe ich für mich die perfekte Art der Beschulung gefunden und gegen alle Erwartungen setze ich den Weg zu meinem Ziel fort, vielleicht über ungewöhnlichere Wege als andere Schüler:innen, aber mein Ziel ist dasselbe.

Kommentare 2

  • Das kann ich so gut nach vollziehen. Ich habe zwar keinen Autismus, war jedoch seid einer Familienkatastrophe emotional und psychisch auch geschwächt. Leider bin ich weiter auf die Schule gegangen, zu der Zeit auch noch Sprung auf das Gymnasium. Erst durch eine Onlineweiterbildung hab ich vor 2 Jahren gemerkt wie gut mir das Homeschooling tut.

    Zuhause kann ich mich viel besser struckturieren, organisieren und viel besser konzentrieren.

    Ich kann es also ziemlich gut nach vollziehen

  • Ein Glück, dass du von der Möglichkeit der Fernschule erfahren hast und du weiter den Willen hattest, trotz des anfänglichen Umweges, das Abitur anzustreben 👏 Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass es diesmal mit dem Abitur klappt und du damit auch deine beruflichen Ziele verwirklichen kannst. Das schaffst du auf jeden Fall! 🤗

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