Geschlechtergerechte Sprache

Was ist mit „gendern“ überhaupt gemeint?


Bislang sind die meisten Menschen an das sogenannte „generische Maskulinum“ gewöhnt. Damit ist die Verwendung des Maskulinums als Vertretung für alle Menschen gemeint.


Beispiel:

Meine Mitschüler sind gespannt.


In diesem Satz wird zwar nur die maskuline Form „Schüler“ verwendet, es sind aber nicht nur männliche Schüler gemeint, sondern alle. Die maskuline Form des Wortes wird also stellvertretend für alle Geschlechter verwendet.


„Gendern“ bedeutet, sowohl schriftlich als auch mündlich alle Geschlechter zu berücksichtigen und zwar ausdrücklich. Dabei gibt es verschiedene Schreibweisen.


Schreibweisen vorgestellt


Da es im Moment noch keine allgemein anerkannte Schreibweise gibt, stelle ich verschiedene vor und erläutere kurz Vor- und Nachteile.

In den folgenden Formen werden zwar die weibliche und die männliche Form genannt, allerdings werden Menschen, die sich weder als männlich noch weiblich identifizieren, nicht genannt:


Schüler und Schülerinnen

SchülerInnen

Schüler/innen oder Schüler/-innen


In den folgenden Schreibweisen wird ein nicht-binäres Gendersystem repräsentiert und somit die Möglichkeit gegeben, explizit auch Menschen anzusprechen, die sich weder als weiblich noch als männlich identifizieren. Diese Schreibweisen können durch eine kleine Pause anstelle des Sonderzeichens gesprochen werden:


Schüler*innen

Schüler:innen

Schüler_innen


Die unteren 3 Schreibweisen beziehen im Gegensatz zu den oberen also tatsächlich alle Menschen ausdrücklich mit ein.



Sprechpausen in der Mitte eines Wortes gab es bereits zuvor


Kurze Pausen mitten im Wort gibt es in der deutschen Sprache schon immer. Die Wörter „Spiegelei“ und „geimpft“ werden beispielsweise ähnlich gesprochen wie Gendersonderzeichen.



Neutrale Formen


Es gibt viele Möglichkeiten, die gegenderte Form eines Wortes zu umschreiben, zum Beispiel durch die Verwendung einer neutralen Form:


die Student*innen —> die Studierenden

die Lehrer*innen —> die Lehrpersonen, das Lehrpersonal, Lehrkräfte

die Teilnehmer*innen —> die Teilnehmenden


Für wen stehen nun die Sonderzeichen?


Nun habe ich bereits mehrfach geschrieben „diese Form bezieht auch Menschen mit ein, die sich weder als männlich noch als weiblich identifizieren“. Einige werden sich in der Zwischenzeit gefragt haben, wer denn unter diese Personengruppe fällt.

Vielleicht sagt der Begriff „LGBT+“ einigen etwas. Das „T“ in „LGBT+“ steht für „Transgender“. In das Transgenderspektrum fallen auch sogenannte „nicht-binäre“ Geschlechtsidentitäten.


Aber zuerst möchte ich einige Begriffe erklären:


Geschlechtsidentität Die Geschlechtsidentität bezeichnet das innerliche Wissen um unser eigenes Geschlecht, unabhängig von gesellschaftlichen Rollenbildern und Erwartungen, also das Geschlecht, mit dem sich ein Mensch identifiziert.
Binäres Geschlechtersystem Das binäre Geschlechtersystem geht von der Existenz von nur 2 Geschlechtern aus: weiblich und männlich.
Nicht-binäre Geschlechtsidentität Dieser Begriff bezeichnet Geschlechtsidentitäten, die sich außerhalb des binären Geschlechtersystems befinden, also weder rein weiblich noch rein männlich sind.
Transgender Als Transgender werden Menschen bezeichnet, die sich nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht (biologischen Geschlecht) identifizieren.



Der Begriff „Transgender“ ist ein sogenannter „Umbrella term“ oder auf Deutsch „Regenschirmbegriff“. Unter diesen Regenschirmbegriff fallen binäre Transidentitäten und nicht-binäre Transidentitäten. Das heißt, es fallen trans Personen darunter, die sich als Mann oder Frau identifizieren, aber auch jene, die weder rein männlich noch rein weiblich sind. Der Überbegriff „transgender“ wird ab dann verwendet, wenn sich eine Person nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifiziert. Das ist auch bei nicht-binären Geschlechtsidentitäten der Fall.


Der Begriff „nicht-binär“, eher auf Englisch als „Nonbinary“ bekannt, ist ebenfalls ein Regenschirmbegriff. Unter diesen fallen wiederum verschiedene nicht-binäre Identitäten.


Wenn wir also die weibliche und männliche Form eines Wortes nennen, sind Frauen und Männer und somit auch alle binären trans Personen genannt. Nicht-binäre Personen werden aber erst durch Sonderzeichen wie den Genderstern, den Doppelpunkt oder den Unterstrich sichtbar.


--> Wenn euch das Thema „nicht-binäre Geschlechtsidentitäten“ interessiert, teilt mir das gerne in den Kommentaren mit, dann kann ich darauf in einem extra Blogartikel nochmal eingehen.




Zum Weiterlesen:

https://queer-lexikon.net/uebersichtsseiten/trans/

https://geschicktgendern.de/schreibweisen/

https://www.duden.de/rund-um-d…/sprache-und-stil/Gendern

Kommentare 1

  • Danke für deine ausführliche Zusammenfassung zu dem Thema 😀


    Mir fällt es ehrlich gesagt auch immer schwer, solche Anreden korrekt zu schreiben und das ist nicht einmal böse gemeint. Vieles hat sich ja auch schon irgendwie etabliert, sodass es auf den ersten Blick in Ordnung aussieht. Natürlich möchte ich niemanden ausgrenzen, aber manchmal weiß ich dann schon gar nicht mehr, wie ich den Satz richtig schreiben soll 😅


    Wie ist das bei dir? Wenn du zum Beispiel bei einem Votrag bist und es heißt "Liebe Teilnehmer", fühlst du dich dann ausgeschlossen oder etwas in der Art?